Immer häufiger Lieferengpässe?

Wie gehen Apotheken mit den aktuellen Umständen um? | MedRhein News vom 02.03.2023

Veröffentlicht am 02.03.2023 von MedRhein Team

Lieferengpässe in Apotheken

Herausforderungen und Lösungsansätze 

In der deutschen Gesundheitsversorgung herrscht derzeit eine alarmierende Situation: Seit geraumer Zeit leiden viele Apotheken unter Lieferengpässen von wichtigen Medikamenten und Produkten. 

Betroffen sind nicht nur spezialisierte Medikamente, sondern z.B. auch Schmerzmittel und Verbandsmaterial

Laut einer Blitzumfrage des Apothekerverbandes Nordrhein (AVNR) ist fast jedes zweite Rezept davon betroffen. Die Auswirkungen sind sowohl für Patienten als auch für Apotheken enorm. 

 

 

Gründe

In vielen Fällen bewirkte die Corona-Pandemie die Lieferengpässe. Sowohl Produktionsstätten als auch der Transport von Medikamenten sind hierdurch immer noch beeinträchtigt.

Aber auch andere Faktoren wie beispielsweise fehlende Rohstoffe, Zulassungsprobleme oder Produktionseinschränkungen der Hersteller spielen eine Rolle. 

Es besteht eine hohe Nachfrage innerhalb der Bevölkerung, welche derzeit nicht gedeckt werden kann:

Kunden müssen oft abgewiesen oder an andere Apotheken verwiesen werden, da bestimmte Medikamente oder Produkte einfach nicht verfügbar sind.  

 

Auswirkung

Für die Apotheken bedeutet dies einen erheblichen betriebswirtschaftlichen Mehraufwand. Neben dem erhöhten Kassenabschlag, der im Jahr 2020 eingeführt wurde, müssen sie sich nun auch mit den Folgen der Lieferengpässe auseinandersetzen. 

Vor allem kleinere Apotheken leiden darunter. Sie verfügen oft nur über ein begrenztes Warenlager und können fehlende Medikamente nur schwer kompensieren.

Auch für Patienten bedeutet dies eine erhebliche Belastung. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist eine regelmäßige Versorgung mit Medikamenten unerlässlich. Unerwünschte Nebenwirkungen oder gar eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes können die Folge sein.

 

Lösungsansätze 

Einige Apotheken haben jedoch einen Ansatz gefunden, der schwierigen Situation entgegenzuwirken: die Online-Plattform "Just check it".

Auf dieser Plattform bieten Apotheken Produkte an, die sie nicht benötigen, und für die sie im Gegenzug dringend benötigte Produkte von anderen Apotheken erwerben. Dies trägt dazu bei, die Versorgung der Kunden aufrechtzuerhalten und die Kosten im Griff zu behalten. 

Nicht alle sind jedoch mit dieser Lösung zufrieden.

Einige Apotheker:innen haben Bedenken geäußert, dass die Nutzung von "Just check it" den Wettbewerb einschränken könnte. Kritiker befürchten, dass ein Wettbewerbsnachteil für kleinere Apotheken entsteht, da größere Apotheken aufgrund ihrer größeren Produktvielfalt einen Vorteil hätten. 

 

Und das ist noch nicht alles...

Ein weiterer Streitpunkt in der Apothekenbranche ist die "50 Cent Pauschale". Diese Pauschale wird von den Krankenkassen für die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten gezahlt und soll die Kosten für die Aufbewahrung und Ausgabe decken.

Viele Apotheken sind jedoch der Meinung, dass diese Pauschale längst nicht mehr ausreicht, um die tatsächlichen Kosten zu decken. Einige haben daher angekündigt, keine rezeptpflichtigen Medikamente mehr abzugeben, wenn die Pauschale nicht erhöht wird. 

Vermehrt kommt es wieder vor, dass Apotheken eigene Medikamente herstellen. Wenn standardisierte Präparate nicht zu Verfügung stehen können die Apotheken, zum Beispiel Fiebersaft und Salben individuell auf den Kunden abgestimmt, herstellen.  

Dies erfordert jedoch einiges an Fachwissen, Erfahrung, Zeit und muss strengen gesetzlichen Vorgaben entsprechen, um eine hohe Qualität und Sicherheit zu gewährleisten.  

 

Fazit

Lieferengpässe und der Druck, Kosten zu sparen, machen es für Apotheken nicht leicht. Doch mit innovativen Lösungen wie "Just check it" und einer fairen Bezahlung seitens der Krankenkassen wird die Apothekenbranche auch in Zukunft eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung spielen. 

 

Quellen 

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